Pfarrer
Markus Deckert

Titelbild


Liebe Gäste und Besucher unserer Kirche,
vor allem aber: Liebe Loschwitzer und Wachwitzer,
liebe Gemeinde,

zurück aus dem Urlaub, gehen wir nicht einfach wieder im Alltag auf. Erlebtes verblasst nicht gleich, es wirkt nach. Manches lässt nachdenklich bleiben: Etwa die große Hitze, die von Portugal bis Schweden auf Europa lastete. Noch mit Schirm im Herbstregen werden wir uns erinnern, wie wir uns kühle Tage herbeigewünscht haben .. !
Aber auch der vor uns liegende Spätsommer am Elbhang lässt wunderbare Tage erwarten, bietet Raum für Begegnungen und Feste. Mit Wasser. Mit Wein.

Mindestens zwei Feste stehen für unsere Gemeinde obenauf: Da ist das Willkommen für den Neuen, den erwarteten Kantor in Nachfolge der verabschiedeten Marianne Kunze. Tobias Braun heißt er – und sitzt, wenn Sie dies lesen, längst auf unserer Orgelbank.
Freuen wir uns auf erste Begegnungen, vor und erst recht nach dem Einführungsgottesdienst am 26. August! Mag sein Dienst bei uns gesegnet sein, damit nicht nur zu Beginn die Lieder aus vielen Mündern erschallen, wenn BWV 172 aufgeführt wird. Mögen sich dann auch alltags alle die einfinden, die mit Lust und Erwartung zu Gottes Ehre musizieren möchten!
Zum Beispiel schon zu Erntedank. Das traditionell rund um den 3. Oktober terminierte Fest-Wochenende haben wir diesmal auf den letzten Septembertag gelegt: Erntedank und Kirchweih – bitte ohne die Wehen der angehenden Herbstferien! Denn mit allen Generationen wollen wir begehen, dass vor 25 Jahren, genau am 2. Oktober 1994, die wieder­erstandene Loschwitzer Kirche geweiht wurde. Mehr als ein Fest – ein ganzes Gedenkjahr ist dieses Jubiläum wert!

Die wiedererstandene Dresdner Frauenkirche wird allüberall vermarktet. „Mit reinstem Feingold veredelt, mit von Hand eingesetzten Swarovski-Elementen..“ so schmeichelt werbend das Bayrische Münzkontor zur Sonder-Aktion einer ,Giganten-Prägung‘, die auch ich im Briefkasten finde.
Unsere Medaille zur Loschwitzer Kirche (siehe Titelbild!) kommt da bescheidener daher – und drückt doch noch immer die Freude aus, die durch die Gemeinde und die Elbhang-Bewohnerschaft in Zeiten des Wiederaufbaus ging. Zur Grundsteinlegung 1991 wurde sie aufgelegt, Restbestände haben wir nun ans Licht befördert. In Blasewitz wird die Medaille parallel zu einer aktuell neu geprägten verkauft und auch bei uns im nun angehenden Jubiläumsjahr erneut angeboten.
Sie wurde nach der Vorlage einer Gedenkmedaille von 1708 geprägt, die auf der Vorderseite die Kirche zeigt mit der Inschrift „Reddimus indultae sic tibi pacis opus“
(So geben wir Dir das Werk des gnädigen Friedens zurück.). Mit dieser Aussage wird Gott für den Frieden gedankt. Auf der Rückseite ist zu lesen: „Was seit langer Zeit in Trümmern liegt, wirst Du mit den Deinen wieder aufbauen.“ (nach Jesaja 58, 12).

Sichern Sie sich oder für Ihre Enkel noch eins der in Feinsilber geprägten Exemplare. Für 20,– € zugunsten der weiteren Erhaltung der Loschwitzer Kirche werden sie in der Pfarrkanzlei angeboten – die Verkaufszeit allerdings soll bis zum offiziellen Ende des Jubiläumsjahres am Festwochenende 5. & 6. Oktober 2019 limitiert sein ..

Münzen, Medaillen und Geld bestimmen – Gott sei Dank! – nicht alles. Erst recht hoffentlich nicht unter uns, in dieser Gemeinde. Und dennoch muss ab und an davon geredet
werden – weil mit Geld in unserer Welt Wertschätzung ausgedrückt wird. Auch im GEMEINDE­BRIEF werden Sie deutlicher als bisher lesen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen angemessener Ausstattung von Personal und dem, was eine Kirchgemeinde für Sie und viele andere imstande ist, zu leisten. Damit sind wir beim Geld.
Hoch anerkennenswert viel geschieht im Ehrenamt. Aber eben nicht alles lässt sich dahin übertragen. So sind wir alle dankbar für unseren neuen Kantor, und wissen in diesen Zeiten vieldiskutierter Veränderungen zugleich: Für das erklärte Ziel einer langfristigen Anstellung muss noch viel bedacht, gespendet, getan werden.

Das Singen in der Kurrende und Kantorei vor Ort, auch die Möglichkeit der Begleitung der Kinder und Jugendlichen in Christenlehre, Konfirmandenzeit und Junger Gemeinde soll nicht am Geld, nicht an der Einkommenssituation der Eltern hängen.
Und doch wird uns in Entscheidungen im Rahmen der kirchlichen Strukturplanungen vorgeführt, dass ohne eine finanzielle Basis manche Erwartung zwangsläufig enttäuscht, gewohnte Nähe eingeschränkt und manche „Dienstleistung“ gar verloren geht. Wir können dies abwenden! Und uns von der Generation der Wieder-Erbauer unserer schönen Kirche dazu Rückenwind holen.

Denn das Eigentliche lässt sich ja nicht kaufen. Es wächst. Staunenswert. Darum feiern wir Erntedank. Weil uns die Güter der Erde und die Güte Gottes zugespielt werden. Weil Beziehungen tragen und Menschen über sich hinaus wachsen. Auch der Wiederaufbau unserer zerstörten Kirche war nicht einfach Ergebnis finanzieller Zuweisungen, sondern Ausdruck einer großen Zuversicht und sich daraus entwickelnder Dynamik. War Werk einer Gemeinschaft, die für ihre Glaubensfreude und Gottesliebe, ja, auch für ihren Bürgerstolz in einer besonderen Umbruchszeit dieses Ziel wählte.
Wir werden im vor uns liegenden Gedenkjahr diejenigen ansprechen und ganz besonders einladen, die damals Schubkarren bewegt und Fußbodenplatten adoptiert haben. Wollen von ihnen hören und mit Ihnen feiern! Und dabei auch an so manchen inzwischen Verstorbenen erinnern, der dies mit ihnen tat.

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Prediger Salomo 3, 11
So heißt der Monatsspruch im September. Entdecken wir die Schönheiten, die Gott längst bereitet hat. In dieser Zeit, in dieser Welt. Selbst in einer von Menschenhand geschundenen, mancherorts aus blanker Not oder protzigem Reichtum hässlich verunstalteten Welt lässt sich noch ermessen, was der Prediger Salomo meint.

Tun wir das Unsere mit ,Schönheit‘ – also mit dem Anspruch, dass da etwas Gültiges gelingt. Mit Verantwortung vor Gott und den Menschen. Und fragen wir bei dem, was wir alltags tun, über das Sichtbare und Zählbare immer noch ein Stück hinaus – Hat Gott doch auch uns die Ewigkeit ins Herz gelegt!

Ein spätsommerlicher Gruß, sehr gern mit Ihnen auf dem Weg ins Jubiläumsjahr,

Ihr Pfarrer Markus Deckert


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