Pfarrer
Markus Deckert


Liebe Gemeinde, liebe Leser in den Adventstagen wie am Ende dieses Kalenderjahres,

Hier stehe ich .. Sie wissen, wie es weiterging, damals, im April 1521, für den Mönch und Doktor der Theologie Martin Luther – vor Kaiser und Reich.
Auch unabhängig von allen sehr unterschiedlich eingefärbten Feierlichkeiten und Auseinandersetzungen im letzten Jahr der ReformationsDekade haben wir uns als Kirchgemeinde in den vergangenen Monaten sichtbar und da und dort auch lustvoll, sogar tiefgründig vom 500. Jubiläum der Reformation bewegen lassen.

Von den thematischen Gesprächsabenden des Offenen Gesprächskreises bis zum eindrücklichen Vortrag von Dr. Dr. Benjamin Hasselhorn zur Stifterversammlung .. Von der bestens angenommenen Fahrt zu Lutherstätten in Mitteldeutschland, die in eine Sternfahrt nach Wittenberg am 10. September mündete .. Von den im Elbhangfest öffentlich gewordenen Thesen Loschwitzer und Wachwitzer Konfirmanden über den spektakulären Umzug bis zum noch immer aktuellen kirchenpolitischen Streit um eine angemessene personelle Ausstattung .. Von der Musik der Reformationszeit, die auf Straßen und Plätzen genauso erklang wie im verlässlichen sonntäglichen Gottesdienst.

Hier .. stehen nun auch zwei Luther-Bäume – Nr. 426 im Wittenberger Luthergarten (www.luthergarten.de) wie auch die am Martinstag gepflanzte Luther-Linde gleich am Körnerplatz/Friedrich-Wieck-Straße. Sie wollen nicht übersehen werden – genauso wie bald schon der geschmückte und lichterhelle Baum in Ihrem weihnachtlichen Zuhause. Und sind einen Besuch, einen guten Augenblick des Innehaltens sogar übers ganze Jahr wert.

Hier stehe ich .. das verweist auch auf Zukünftiges: Die Jubiläen (2021!) und die existentiellen Themen bleiben uns ja erhalten: Was führt Menschen in einen verwurzelten Gottesglauben? Was lässt sie, lässt uns gewiss werden? Und wozu braucht es dabei ,Kirche‘? – Das ist in Jubelfeiern nicht abschließend zu klären, sondern bleibt dem Menschen zeitlebens, bleibt auch uns als Gemeinde aufgegeben, zu bedenken.

Hier stehe ich .. grüßt uns dieser so andere Loschwitzer Christbaum anno domini 2017. Grüßt uns auch bei großer Kälte. Wird gerade von den Buden des Adventsmarktes verdeckt und noch lange brauchen, ehe er wunschgemäß einen Engel (!) tragen kann. Doch erinnert er uns schon jetzt daran, dass das Leben gut gegründet, gut verwurzelt sein soll (Psalm 1). Dass es in dem Kind JESUS den findet, dem „mein Herze grünen soll in stetem Lob und Preis“ (EG 11,2). Dass wir an SEINER Krippe stehend, nicht über Geschenkpapiere stolpern sollen, sondern staunend dem wahren Leben die Hand hinhalten können.
Wer so steht, der wird jauchzen und frohlocken (BWV 248), auch wenn es Gründe gäbe, dies zu lassen. Der wird den Glauben hochhalten und mit ins Neue Jahr nehmen, zuversichtlich, was es auch bringen mag.
Denn JESUS CHRISTUS geht ja mit uns, ist nicht stehengeblieben in antiker Geschichte, sondern Der, der uns in aller Zukunft erwartet.

So wünsche ich uns erwartungsvolle Tage, einen lebendigen Advent – und ein Christfest, das gut gegründet ist. Gut gegründet wie hoffentlich unsere beiden Luther-Linden und wir selbst auch!

Ihr Pfarrer Markus Deckert

Fotos: Jürgen Frohse


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